Adventskalender 18

Monika Bütler

Zum 4. Advent zwar kein Weihnachtslied, aber wenigstens eins mit Bätzeli — leider kenne ich weder den Ursprung des Liedes noch die Kaufkraft eines Batzens zu jener Zeit.

Schuehmächerli, Schuehmächerli, was choschted mini Schueh?
Drü Bätzeli, drü Bätzeli, und d’Negeli dezue.

Drü Bätzeli, drü Bätzeli, das isch mer wärli z’tüür,
do laufi lieber barfuess, dörs Wasser und dörs Füür!

Schuemächerli, Schuemächerli, wo flicksch du dyni Schue
Im Chämmerli, im Chämmerli, tue sTörli weder zue.

Schuemächerli, Schuemächerli, was machsch du au för Lärm
I hämmere, i hämmere, das mach i ebe gern.

und hier eine neue Version des Lieds von den Helik-Jungs – voll krass.

Adventskalender 17

Urs Birchler

“Der Streit um die Batzen” — so betitelt Julius Cahn ein Kapitel seines Buches Der Rappenmünzbund von 1901. Worum ging es?

Im Jahre 1342 schlossen sich die Städte Zürich und Basel mit dem Basler Bischof und dem Herzog von Österreich zusammen unter dem Namen “Rappenmünzbund”, um eine einheitliche Währung einzuführen. Zu seinen besten Zeiten umfasste der Rappenmünzbund etwa achtzig Teilnehmer (z.B. Städte vom Oberrhein, der Nordwestschweiz und Vorderösterreichs).

Wie alle Währungsunionen zwischen souveränen Staaten vor und nach dem Rappenmünzbund litt dieser an inneren Spannungen. Namentlich störte der Zustrom von Batzen-Münzen. Zunächst versuchte es Basel mit einer Wechselkursgrenze: Für die Batzen durften nicht mehr als 9 Rappen bezahlt werden. Es folgte ein Zustrom billig geprägter Batzen. Bis im August 1820 war dieser so angeschwollen, dass Basel einen Krisengipfel einberufen musste. Dieser beschloss in der Tat, die Batzen hätten bis Weihnachten von der Bildfläche zu verschwinden. Dies taten sie nicht. Österreich stieg deshalb aus, indem es sich weigerte, genug Münzen zu prägen, um die Batzen wieder zu verdrängen. Schliesslich wurde der Rappenmünzbund 1584 aufgelöst.

Die Abbildung zeigt je einen Rappen aus Basel (Bischofsstab) und Zürich (Äbtissin des Fraumünsterklosters, die Zürcher Münzherrin).

Adventskalender 16

Am 2. Dezember forderten wir die Leser des Batz auf, in einer Schätzfrage eine Zahl von 0 bis 100 zu schätzen und dabei möglichst nahe an 2/3 des Mittelwerts aller Schätzungen zu kommen. Die Teilnahme ist hoch ausgefallen: es haben insgesamt 53 Leser an dem Experiment teilgenommen und eine Schätzung abgegeben.

Die Aufgabe (eine Zahl innerhalb 0-100 zu schätzen) mag einfach klingen, ist sie jedoch nicht. Die Schwierigkeit der Aufgabe ist, die Rationalität seiner Gegenspieler einzuschätzen. Die perfekt rationale Lösung wäre nämlich 0. Doch warum ist sie 0? Hier die Anleitung: Angenommen alle Spieler würden nicht-strategisch spielen, d.h. kein Spieler zieht die Aktionen seiner Mitspieler in Betracht und wählt die Zahl zufällig zwischen 0 und 100. Der Mittelwert wäre somit bei 50 und gewinnen würde man mit einer Schätzung von 33.3 (=2/3 * 50). Alle Spieler möchten gewinnen und wählen also einen Wert von 33.3. Jedoch wenn alle Spieler 33.3 schätzen würden, dann reduziert sich der Mittelwert von 50 auf 33.3 und die neue Gewinnerzahl wäre 22.2. Alle Spieler sollten somit 22.2 schätzen. Dieses Spiel ginge in analoger Form weiter mit 11.1, 7.4, … bis man letztlich approximativ bei 0 landet.

Trotzdem ist es kaum eine gute Strategie 0 zu wählen und längst nicht alle Spieler tippen auf 0. An der Universität Konstanz spielte man dieses Spiel mit 127 Universitätsprofessoren und die Gewinnerzahl lag bei 19.537. Am Begrüssungstag der Wirtschafts-Masterstudierenden an der Universität Zürich lag die Gewinnerzahl für alle Schätzungen bei 8.43. Warum nicht bei 0? Die Erklärung ist Teil experimenteller Forschung, erstmals untersucht von Rosemarie Nagel im Jahr 1995. Unterschiede entstehen einerseits in der individuellen Tiefe des Gedankengangs (von 50 auf 33.3, auf 22.2, auf 11.1, …) und andererseits in der Einschätzung der Tiefe des Gedankengangs der Mitspieler. Während eine Schätzung von 0 zwar auf einen tiefen Gedankengang hinweist, so ist die Schätzung trotzdem etwas überoptimistisch bezüglich der Denkweise aller Mitspieler. Im Mittelwert lagen die Schätzungen vom 2. Dezember bei 17.73 und die Gewinnerzahl somit bei 11.82. Die Batz-Leser bewegen sich somit im Mittelfeld zwischen Wirtschafts-Masterstudierenden und Universitätsprofessoren.

Gewonnen haben das Spiel zwei anonyme Spieler, welche auf 12 tippten. Auf dem zweiten Platz folgen Lukas, Patrick und eine weitere anonyme Teilnahme mit jeweils einer Schätzung von 11. Herzlichen Glückwunsch!

EFTA gegen Island

Urs Birchler

Ein Kollege aus Island schickt mir soeben eine Nachricht, wonach die EFTA Surveillance Authority ihr Mitgliedland Island vor Gericht ziehen will. Island hat die britischen und niederländischen Gläubiger der konkursiten isländischen Banken noch nicht entschädigt. Die EFTA, einst stolze Konkurrenz zur EWG (der späteren EU), hat noch vier Mitglieder: Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz (die ersteren drei sind auch Teil des Europäischen Wirtschaftsraums EEA).

Von der EFTA hatte ich zur eigenen Schande seit langem nichts gehört. Und dann plötzlich die Nachricht, dass sie zugunsten zweier EU-Länder gegen ein eigenes Mitgliedland vorgehen will. Wäre ich bloss Jurist geworden!

Adventskalender 15

Inke Nyborg

Dieser Tag ist Sándor Márai gewidmet, einem ungarischem Schriftsteller (1900-1989), der einundvierzig Jahre seines Lebens im Exil verbrachte.  Die erste Station seiner Emigrationsjahre war – wie für viele – die Schweiz. Eine Einladung zu dem Rencontre Internationales, einem jährlich stattfindenden Symposium von Schriftstellern und Wissenschaftlern, brachte ihn im Alter von 48 Jahren von Budapest nach Genf. Seine Wanderjahre endeten in San Diego.

Über den Monat Dezember schrieb Márai, dass dieser Monat ein Fest sei.„Als würden ständig Glocken geläutet, weit weg, hinter den Schleiern aus Nebel und Schnee.“ Seine Kindheit verbrachte er in Kaschau (Kassa), einer kleinen ungarischen Stadt, welche heute slowakisch ist. In seinem Buch Die Vier Jahreszeiten beschreibt er das Warten auf Weihnachten. „In unserer Kindheit haben wir schon am ersten Tag dieses Monats mit blauen und grünen Farbstiften einen Christbaum mit einunddreissig Ästchen auf einem Bogen Papier gezeichnet. Klopfenden Herzens wurde jeder Morgen markiert, gleichsam ein Ast dieses symbolischen Baumes abgeknickt. So näherten wir uns dem Fest. Die Aufregung des Wartens wurde auf diese Art fast ins Unerträgliche gesteigert.“

An einem Tag wie heute, zwei Wochen in die Adventszeit, mögen die Gefühle überwältigend gewesen sein. Márai erinnerte sich: “Gegen Mitte des Monats, als das Ereignis immer näher rückte, hatte ich abends schon regelmässig Temperatur und erzählte dem Kindermädchen fiebrig-stotternd von meinen Wünschen. Was ich nicht alles wollte! Eine Dampfeisenbahn und eine Schaffnerzange zum Fahrkartenzwicken, ein richtiges Theater mit Logen, Schauspielerinnen und Rampenlicht, ja sicher auch mit Kritikern und mit den Näherinnen, die bei der Generalprobe dabei sein dürfen und dann schlecht über das Stück reden. Darüber hinaus wünschte ich mir ein polnisches Mäntelchen, sodann Indien, Amerika, Australien und den Mars.” Und: ” All das natürlich in Seidenpapier verpackt und mit Engelshaar geschmückt.”

International Private Banking Study 2011

Urs Birchler

Frisch ab Presse: Die 2011er-Ausgabe unserer alle zwei Jahre erscheinenden Studie zum Internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft, diesmal verfasst vom Viererteam Urs Birchler, Christian Bührer, Daniel Ettlin und Fabian Forrer.

Wie hat sich der Markt entwickelt? Wie haben sich die Schweizer Banken geschlagen? Wie sieht die Zukunft aus?

Dazu alles (Studie und Medienmiteilungen) hier.

Adventskalender 14

Diana Festl-Pell

Vor einer Woche, im Adventskalender 7, haben wir bereits erzählt, dass der chinesische Weihnachtsmann eigentlich ein Finne ist und das chinesische Weihnachtsdorf einem berühmten lappländischen Dorf nachempfunden wurde.

Der finnische Weihnachtsmann heisst Joulupukki und verfügt neben seinem Stammsitz am Korvatunturi, dem “Ohrenberg”, über diverse Auslandsvertretungen. Sein Deutschlandbüro nimmt sogar Bestellungen echter Weihnachtspost vom Polarkreis entgegen. Wenn Sie an einem derartigen Brief vom Joulupukki interessiert sein sollten, müssen Sie sich jedoch beeilen: Bestellungen aus EU-Ländern und der Schweiz, die pünktlich zum Weihnachtsfest eintreffen sollen, müssen spätestens heute, am 14. Dezember, getätigt werden!

 

Adventskalender 13

Inke Nyborg

Dieser Tag ist Schweden gewidmet. Aufmerksame Leser der Finanzpresse werden sich erinnern, dass vor Kürze Schweden’s Finanzminister Anders Borg von der Financial Times zum besten europäischen Finanzminister des Jahres 2011 gewählt wurde. Besonders gelobt wurde Borg von der Financial Times für “for spotting early the need to strengthen the banks and tactfully explaining how Europe could learn from Sweden’s 1990s crisis in the sector.” Angeblich war Borg’s Opponent, Tommy Waidelich, nicht beeindruckt von dieser Auszeichnung und tat es ab mit den Worten “the competition was not very harsh.”

Schwedische Familien werden heute, am 13. Dezember, das Luciafest feiern, ein vorweihnachtlicher Brauch, der für viele in Skandinavien den offiziellen Beginn der Weihnachtszeit einläutet. Die wichtigsten Elemente sind das Tragen von weissen Gewändern und Kerzen, der Verzehr von traditionellem Gebäck und das Singen von Lucialiedern. Die Feierlichkeiten beginnen meist am Morgen in der Familie und setzen sich in Kindergärten und Schulen fort. Ein Mädchen, in der Familie traditionell die älteste Tochter, spielt die Lucia. Sie trägt ein weißes Gewand, ein rotes Band um die Taille und einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf. Ihr folgen oft weitere Mädchen, die Kerzen in den Händen halten, sowie manchmal auch „Sternenknaben, Pfefferkuchenmännchen und Wichte“ in einer regelrechten Prozession. Das schwedische Museum Skansen hat dazu mehr Informationen.

Adventskalender 12

Inke Nyborg

Eines der bekanntesten Weihnachtslieder im englischsprachigen Raum ist The Twelve Days of Christmas. Ursprünglich ein Kindereim, wurde es erstmals 1780 in einem Kinderbuch veröffentlicht. Das Lied listet in einer Art Zählgeschichte die zwölf Geschenke auf, die der Sänger des Liedes von seiner “true love” zwischen dem Weihnachtstag und dem Dreikönigstag erhalten hat. Bei den Geschenken handelt es sich um zwölf Trommler, elf Dudelsackspieler, zehn Tänzer, neun Tänzerinnen, acht Mägde, sieben Schwäne, sechs Gänse, fünf goldene Ringe, vier Kanarienvögel, drei französische Hühner, zwei Tauben und einem Rebhuhn in einem Birnenbaum. Die amerikanische Firma PNC Financial Services kalkuliert seit 1984 jedes Jahr die Kosten für den Kauf aller dieser Geschenke. In diesem Jahr stieg der Weihnachtspreisindex aufgrund der schwachen US-Wirtschaft um 3,5% im Vergleich zum Vorjahr. Die grösste Preissteigerung gab es interessanterweise nicht bei den Goldringen, sondern bei den Tauben (25%) und den Schwänen (12,5%).

On the twelfth day of Christmas, 
my true love sent to me 
Twelve drummers drumming, 
Eleven pipers piping, 
Ten lords a-leaping, 
Nine ladies dancing, 
Eight maids a-milking, 
Seven swans a-swimming, 
Six geese a-laying, 
Five golden rings, 
Four calling birds, 
Three French hens, 
Two turtle doves, 
And a partridge in a pear tree!

Adventskalender 11

Urs Birchler

Das Lichterfest in Lyon schien der ideale Anlass zur Flucht vor einem weiteren Zürcher Einkaufssonntag. Mit einer Einkaufstasche voller Lampen ist mir nun der Bückenschlag zwischen beiden Anlässen gelungen.

Aber eigentlich wollte ich hier über die schönste Weihnachts-Einkaufs-Geschichte der Welt schreiben: Die Kurzgeschichte Das Geschenk der Weisen (The Gift of the Magi von O’Henry). Eigentlich eine Ode an die Liebe, für die Ökonomen (auch) ein Beispiel für ein Coordination Game. Die Koordination im engeren Sinn gelingt zwar nicht, aber man kann auch so perfekt scheitern, dass es erst richtig schön ist. Ideal zum gegenseitig vorlesen unter dem Christbaum. Sogar Ökonom(inn)en heulen am Schluss.