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	<title>Batz &#187; Soziale Sicherung</title>
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	<description>Das Forum für Schweizer Wirtschaftspolitik</description>
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		<title>Volksabstimmungen über das Wetter</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 11:10:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Monika Bütler Erschienen in der NZZaS, 4. Dezember 2011 Vor einigen Wochen wollte der damalige griechische Premierminister Papandreu über den Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen abstimmen lassen. Ebenso hätte man ber ein herannahendes Unwetter an der Urne befinden können: Das Unheil &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/12/volksabstimmungen-uber-das-wetter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Monika Bütler</em></p>
<p><em>Erschienen in der NZZaS, 4. Dezember 2011</em></p>
<p>Vor einigen Wochen wollte der damalige griechische Premierminister Papandreu über den Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen abstimmen lassen. Ebenso hätte man ber ein herannahendes Unwetter an der Urne befinden können: Das Unheil lässt sich damit nicht aufhalten. Im Gegenteil: Die Abstimmung führt höchstens zu grösseren Schäden.</p>
<p>Viele Schweizer belächelten die Griechen – und vergassen dabei, dass sie unlängst etwas ähnliches nicht nur planten. Sie stimmten mit grossem Ernst über den Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge ab. Eine Senkung dieses Satzes (welcher festlegt, wie viel Rente der Versicherte pro angesparten Franken erhält) ist nichts anderes als ein Schuldenschnitt, eine Reduktion künftiger Verpflichtungen der Pensionskassen. Das richtige Ausmass der Schuldenreduktion ist erst noch viel einfacher zu bestimmen als bei Staatsschulden. Es folgt direkt aus der gestiegenen Lebenserwartung und tieferen Marktzinsen. Am Schweizer Umwandlungssatz hängt nicht noch das Schicksal anderer Staaten oder gar des europäischen Bankensystems.</p>
<p>Was schadet schon eine rhetorische Abstimmung? Abstimmungen über Wetter oder Marktergebnisse scheinen so harmlos wie ein Plastic-Lenkrad am Kindersitz. Sie vermitteln das schöne Gefühl mitzuentscheiden, ohne zu schaden. Dies täuscht. Rhetorische Abstimmungen kosten mehr als nur den Gang zur Urne.</p>
<p>Jede Verzögerung einer nicht vermeidbaren Reform erhöht deren Kosten. Ein Arbeitnehmer, der erst kurz vor der Pensionierung merkt, dass die „Natur“ seinen Umwandlungssatz gesenkt hat, indem schlicht nicht mehr genug da ist, kann nicht mehr reagieren. Dazu kommt &#8211; selbst bei gleichbleibendem Kuchen &#8211; die Umverteilung der Lasten. In der schweizerischen beruflichen Vorsorge profitieren von einem zu hohen Umwandlungssatz in erster Linie gut verdienende verheiratete Männer ab 50. Die nach 1970 geborenen hingegen werden bei gleichbleibendem Umwandlungssatz vor leeren Kassen stehen.</p>
<p>Die Wahl des Umwandlungssatzes an der Urne und unabhängig vom Markt ist eine Illusion. Doch auch das „liberale“ Gegenstück der politisch ungestörten Marktlösung – in Form des oft gepriesenen Allheilmittels der freien Pensionskassenwahl – hat Tücken. Sie würde dazu führen, dass die Versicherungen für die Umwandlung den jeweils aktuellen Kapitalmarktsatz anwenden. Wer in Tiefzinsperioden pensioniert würde, müsste mit einer mageren Rente vorlieb nehmen. Grosse Rentenunterschiede bei fast gleich alten Rentnern haben aber mit einer optimalen Versicherung wenig zu tun. Gesucht ist daher ein Automatismus zur Anpassung für den Umwandlungssatz, der – gegeben die Lebens- und Renditeerwartungen – das langfristig Mögliche anerkennt, aber gegen die kurzfristigen Launen des Kapitalmarkts versichert.</p>
<p>Ein Automatismus würde zudem eine andere Form des Rentenklaus verhindern, die aus unerfindlichen Gründen kaum als solche wahrgenommen wird: die (ungleiche) Verteilung von Überschüssen. Eine Verzinsung weit unter dem Marktzins, eine eingeschränkte Freizügigkeit bei Stellenwechsel und vor allem Beitragsferien sorgten bereits in den 80er und 90er Jahren für Umverteilungen im grossen Stil. Das Aussetzen von Beiträgen (auch jener der Arbeitgeber) war nichts anderes als eine Lohnkürzung auf Zeit. Wer dank Beitragsferien 100 Franken mehr im Portemonnaie hatte, dem fehlten später mindestens 200 Franken – er zahlte also einen „Zins“ von 100%. Was anderswo als Wucher gelten würde, weckte bei den Versicherten Begeisterung.</p>
<p>Hoffnung besteht jedoch: Colette Nova, Mutter der Initiative „Flexibles AHV Alter für alle“ meinte noch vor gut drei Jahren &#8220;Die Behauptete Umverteilung ist eine Mär. Als Vizedirektorin beim Bundesamt für Sozialversicherung setzt sie sich heute für eine schnelle Senkung des Umwandlungssatzes ein. Zur Erinnerung: Noch im März 2010 stimmten 73% der Schweizer(innen) dagegen.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Verschuldung und Demographie II</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 14:32:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demographie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>

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		<description><![CDATA[Monika Bütler Vor einiger Zeit schrieb mein Kollege Uwe Sunde einen interessanten Beitrag über die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Verschuldung der Staaten. Auch wenn es momentan wohl niemanden mehr gibt, der die explodierenden Schulden verniedlichen möchte: Es kann &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/11/verschuldung-und-demokratie-ii/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Monika Bütler</em></p>
<p>Vor einiger Zeit schrieb mein Kollege Uwe Sunde einen interessanten Beitrag über die<br />
Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Verschuldung der Staaten. Auch<br />
wenn es momentan wohl niemanden mehr gibt, der die explodierenden Schulden<br />
verniedlichen möchte: Es kann noch schlimmer kommen. Wenn es die Staaten nicht<br />
rechtzeitig schaffen, die implizite Verschuldung durch die Sozialwerke in den<br />
Griff zu bekommen.</p>
<p>Für interessierte Leser(innen) hier der<a href="http://www.batz.ch/2010/05/verschuldung-und-demographie-wann-werden-staatsanleihen-toxisch/" target="_blank"> Link </a>auf den ursprünglichen batz Beitrag und das Grundlagenpapier von Cecchetti, Mohanty und Zampolli.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Höhere Renten für Dicke!</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 14:25:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne NZZ am Sonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Monika Bütler Der Bundesrat hat beschlossen, die Pensionskassen zu ermächtigen, Umwandlungssätze in der beruflichen Vorsorge nach Risikoverhalten abzustufen. Normalgewichtige  tragen mit ihrer Lebensweise massgeblich zur Explosion der Rentenkosten bei der AHV und den Pensionskassen bei. Dieses Risikoverhalten der Dünnen soll &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/11/hohere-renten-fur-dicke/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Monika Bütler </em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Der Bundesrat hat beschlossen, die Pensionskassen zu ermächtigen, Umwandlungssätze in der beruflichen Vorsorge nach Risikoverhalten abzustufen. Normalgewichtige  tragen mit ihrer Lebensweise massgeblich zur Explosion der Rentenkosten bei der AHV und den Pensionskassen bei. Dieses Risikoverhalten der Dünnen soll künftig durch eine Reduktion der BVG-Altersrenten um bis zu 15 Prozent kompensiert werden.</em></p>
<p>Natürlich stimmt diese Meldung nicht. Nicht ganz, respektive. Doch seit eine mehr als fragwürdige <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=197567" target="_blank">Studie</a> einer 53% Mehrheit der Schweizer(innen) ein zu grosser Bauchumfang attestierte, geistert das Gespenst der risikogerechten Prämie in der Krankenversicherung wieder herum. Logisch zu Ende gedacht, müsste daher den (angeblich) Dicken nicht nur höhere Krankenkassenprämien in Rechnung gestellt werden. Nein, sie müssten im Gegenzug von der tieferen Lebenserwartung &#8220;profitieren&#8221;, das heisst für den kürzeren Ruhestand höhere Renten erhalten.</p>
<p>Risikogerechte Prämien in den obligatorischen Sozialversicherungen führen nicht nur zu bürokratischen Leerläufen sondern auch zu verteilungspolitische unerwünschten Resultaten.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Ärmere Menschen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu sein. Beim Gewicht kann noch mit «Selbstverschulden» argumentiert werden. Doch die Grenze zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Risikofaktoren ist fliessend. Ebenso wichtig scheint mir eine andere Auswirkung von immer komplizierteren Versicherungsverträgen. Die Teilzeit arbeitende Städterin, die regelmässig das Fitnessstudio aufsucht, wird eher Zeit und den Zugang zu relevanten Informationen haben, den für sie günstigsten Vertrag in der «risikogerechten» obligatorischen Krankenversicherung zu suchen, als die ebenfalls schlanke Bergbäuerin.</em></p>
<p>Die beiden kursiv gedruckten Paragraphen stammen (leicht abgeändert) aus einer NZZaS Kolumne von mir (ich habe mich damals schon über die Forderung nach risikogerechten Krankenkassenprämien für Raucher und Dicke geärgert). Der ganze Text kann <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/risikogerechte_praemien_sind_buerokratisch_und_unsozial_1.4599121.html" target="_blank">hier</a> nachgelesen werden.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Glücklich geschieden</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 19:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anreize]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Tagesanzeiger und andere Zeitungen meldeten gestern, dass Ehen am häufigsten im 7. Ehejahr geschieden werden. Doch mit dem verflixten Siebten habe dies nichts zu tun. Dafür mit dem Ausländerrecht: &#8220;Kommt die C-Bewilligung, kommt Scheidung&#8221;, meint der Tagesanzeiger. Als Ökonomin &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/06/glucklich-geschieden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tagesanzeiger und andere Zeitungen meldeten gestern, dass Ehen am häufigsten im 7. Ehejahr geschieden werden. Doch mit dem verflixten Siebten habe dies nichts zu tun. Dafür mit dem Ausländerrecht: <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Kommt-CBewilligung-kommt-Scheidung/story/28088927">&#8220;Kommt die C-Bewilligung, kommt Scheidung&#8221;, meint der Tagesanzeiger</a>.<br />
Als Ökonomin überrascht mich dies kaum. Wer nun aber glaubt, Anreize wirkten nur bei Ausländern, respektive gemischten Paaren, täuscht sich. Die 10. AHV Reform mit Splitting und Kindergutschriften sowie die obligatorische Teilung des BVG Guthabens brachten vor rund 10 Jahren nicht nur Verbesserungen für Frauen. Eine Scheidung wurde durch dieser Reformen gerade für Paare um das Rentenalter herum deutlich &#8220;billiger&#8221;.<br />
Und siehe da, die Anreize wirken. Wer die untenstehende Graphik genau studiert, sieht zwei Dinge. Erstens passten eine beträchtliche Anzahl der Paare ihren Scheidungszeitpunkt an und trennten sich gerade noch vor dem Inkrafttreten der neuen Regeln. Zweitens hat sich der Unterschied in den Scheidungsraten zwischen allen Ehepaaren und Ehepaaren zwischen 55 und 75 seit den Reformen deutlich verringert (etwa halbiert). In anderen Worten: Ältere Ehepaare scheiden nun relativ häufiger als vorher. Mit grosser Wahrscheinlichkeit weil es sich seit 2000 besser lohnt. Und daran sind nicht die Ausländer &#8220;schuld&#8221;.<br />
Es soll ja ältere Paare geben, die sich alleine deswegen scheiden lassen, um der Rentenplafonierung zu entgehen (oder um Steuern zu sparen). Das erinnert mich an eine Werbekampagne in Holland bei der eine gutgelaunte Frau ihrem Ehepartner fröhlich zuruft: &#8220;Theo, wij gaan scheiden&#8221;. (In Holländisch heisst dies sowohl &#8220;wir scheiden&#8221; als auch &#8220;wir trennen&#8221; &#8211; in diesem Fall Abfall).</p>
<p>PS: Damit keine Missverständnisse entstehen: Dies ist KEIN Plädoyer für die Aufhebung der Plafonierung der AHV Ehepaarrenten.</p>
<p><img class="attachment-medium alignleft" title="Scheidungsraten" src="http://www.batz.ch/wp-content/uploads/Scheidungsraten2.jpg" alt="Scheidungsraten" width="562" height="346" /><br />
<!-- PHP 5.x --></p>
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		</item>
		<item>
		<title>SP auf dem Penaltypunkt</title>
		<link>http://www.batz.ch/2011/06/sp-auf-dem-penaltypunkt/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=sp-auf-dem-penaltypunkt</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Jun 2011 06:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marius Brülhart</dc:creator>
				<category><![CDATA[Besteuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Eben wurde ich von einer Journalistin darauf hingewiesen, dass die SP Schweiz dieses Wochenende die geplante Volksinitiative zur Einführung einer eidgenössischen Erbschaftssteuer debattieren wird. Mit diesem Thema hat sich die Partei einen Elfmeter herausgespielt, doch scheint sie sich anzuschicken, den &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/06/sp-auf-dem-penaltypunkt/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eben wurde ich von einer Journalistin darauf hingewiesen, dass die SP Schweiz <a href="http://www.sp-ps.ch/ger/Partei/Organisation/Delegiertenversammlung/25.-Juni-in-Olten">dieses Wochenende</a> die geplante Volksinitiative zur Einführung einer eidgenössischen Erbschaftssteuer debattieren wird. Mit diesem Thema hat sich die Partei einen Elfmeter herausgespielt, doch scheint sie sich anzuschicken, den Ball dem Torhüter zuzuschubsen.</p>
<p>Es gibt nämlich drei Arten, für eine neue Steuer zu plädieren. Im Normalfall liegt das ausschlaggebende Anliegen auf der Ausgabenseite, wofür es mittels höherer Steuern die entsprechende Finanzierung zu sichern gilt. So geschehen zum Beispiel bei der Volksabstimmung vom September 2009, als die Stimmbürger zwecks Sanierung der Invalidenversicherung eine Anhebung der Mehrwertssteuer billigten. Im Zentrum stand damals die IV; die Steuererhöhung wurde als vorübergehend notwendiges Übel geschluckt.</p>
<p>Neue Steuern lassen sich zweitens rechtfertigen, indem man dadurch andere, weniger effiziente, Steuern ersetzt. So geschehen beispielsweise, als die Mehrwertssteuer anstelle der alten Warenumsatzsteuer eingeführt wurde. Dieser Ansatz ist die hohe Torecke für die Befürworter einer eidgenössischen Erbschaftssteuer. Dass die Erbschaftssteuer aus volkswirtschaftlicher Sicht eine der schmerzlosesten Formen staatlicher Mittelbeschaffung darstellt, liegt nämlich auf der Hand. Solange sich der Staat bei Grosserben Mittel holt und dadurch andere, leistungs- und konsumhemmende, Steuern senkt, ist daran aus Effizienzüberlegungen schwer etwas auszusetzen. Die Initianten wollen zwei Drittel des Erbschaftssteueraufkommens der AHV zukommen lassen. Gute Idee: So senke man die Lohnprozente im entsprechenden Umfang, oder das der AHV reservierte Mehrwertssteuerprozent. Oder man eröffne ein Sparkonto für die AHV, um der prognostizierten <a href="http://www.bsv.admin.ch/dokumentation/zahlen/00093/00424/index.html?lang=de&amp;download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDfYJ,fGym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--">Finanzierungslücke</a> vorzubeugen.</p>
<p>Aber nein, die SP scheint zur dritten Strategie Anlauf zu nehmen. Sie erachtet die Erbschaftssteuer als an sich schon wünschbar und denkt sich neue Ausgabenposten aus, für welche sie die neuen Einnahmen verwenden möchte. Im Zentrum der gegenwärtigen <a href="http://www.sp-ps.ch/ger/content/download/45201/635422/file/Versandheft_d_def.pdf">Argumentation</a> der Parteistrategen stehen steigende Einkommens- und Vermögensungleichheiten, denen es ihrer Meinung nach entgegenszusteuern gilt. Die jüngste Abfuhr des Schweizer Stimmvolks gegenüber der „Steurgerechtigkeitsintiative“ hat gezeigt, dass mit solchen Umverteilungsargumenten keine Mehrheit zu gewinnen ist. Die Partei spielt offenbar mit dem Gedanken, die allfälligen neuen Steuereinnahmen für zusätzliche AHV-Leistungen einzusetzen. Die Rede ist von einer <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/evp_initiative_wahlkampf_1.9824631.html">Flexibilisierung</a> &#8211; sprich Herabsetzung &#8211; des Rentenalters.</p>
<p>Wenn sie an dieser Argumentation festhält, trachtet die Partei mit der Erbschaftssteuerinitiative also nach mehr Staat und nicht bloss nach einem intelligenter finanzierten Staat. Das wäre ein Schüssli in die wartenden Hände des (etwas rechts der Mitte positionierten) Torhüters.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em><br />
</em><!-- PHP 5.x --></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine reine Preisindexierung der AHV- und IV Renten ist nicht sinnvoll</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 13:13:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die meisten Sozialversicherungen, insbesondere die Alterssicherungssysteme, haben teilweise gravierende Finanzierungsprobleme. Als eine mögliche Lösung wird ein Wechsel von der heutigen Mischindexierung der Renten zu einer reinen Preisindexierung vorgeschlagen. Was auf den ersten Blick überzeugend wirkt, erweist sich auf bei genauerer &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/04/eine-reine-preisindexierung-der-ahv-und-iv-renten-ist-nicht-sinnvoll/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Sozialversicherungen, insbesondere die Alterssicherungssysteme, haben teilweise gravierende Finanzierungsprobleme. Als eine mögliche Lösung wird ein Wechsel von der heutigen Mischindexierung der Renten zu einer reinen Preisindexierung vorgeschlagen. Was auf den ersten Blick überzeugend wirkt, erweist sich auf bei genauerer Betrachtung allerdings als tückisch. Dabei geht es nicht nur um die von linken Parteien befürchtete Zunahme der Armut im Alter und bei Invalidität &#8211; diese Befürchtung hat sich in Grossbritannien nach Margaret Thatcher ja durchaus bewahrheitet. Ein anderer Mechanismus spricht ebenso dagegen. In Krisenzeiten, wenn die Finanzierung der Sozialleistungen ohnehin am schwierigsten ist, kann eine reine Preisindexierung sehr teuer werden. Nämlich dann, wenn die Preise steigen, die Nominallöhne aber konstant bleiben.<span id="more-2574"></span></p>
<p>Die Kaufkraft der Alters- und Invalidenrenten sinkt, wenn die Renten nicht periodisch der Preisentwicklung angepasst werden. Es gibt dabei grundsätzlich zwei Arten der Indexierung an die Teuerung:</p>
<p>1)   Preisindexierung: Die Rentenhöhe in Franken wächst mit der gleichen Rate wie die Kosten des vom Bundesamt für Statistik zur Messung der Teuerung verwendeten Warenkorbs. Nicht berücksichtigt wird dabei, dass Rentner oft nicht denselben Warenkorb konsumieren wie die Durchschnittsbürger.</p>
<p>2)   Lohnindexierung: Die Renten wachsen mit gleicher Rate wie die Nominallöhne. Eine Erhöhung der Löhne reflektiert nicht nur die Teuerung, sondern auch das Produktivitätswachstum. Bei einer Lohnindexierung profitieren auch die Nichterwerbstätigen von der Verbesserung des Lebensstandards.</p>
<p>Die Schweiz und viele andere Länder verwenden einen Mischindex. Dieser berücksichtigt je zur Hälfte die Entwicklung des Landesindexes der Konsumentenpreise und das Wachstum der Nominallöhne. Bei positivem (realen) Wirtschaftswachstum ist das Lohnwachstum in der Regel grösser als das Preiswachstum. Ein Mischindex &#8220;kostet&#8221; somit im Durchschnitt mehr als eine reine Preisindexierung. Daher auch der Vorschlag, zu einer reinen Preisindexierung überzugehen.</p>
<p>Doch die Durchschnittsbetrachtung vernachlässigt eine wichtige Komponente der Wirtschaftsentwicklung. Es gibt gute Zeiten mit hohem Wirtschaftswachstum und schlechte Zeiten mit Stagnation oder gar Krisen. Für eine optimale Politik muss daher auch berücksichtigt werden, dass die Reallöhne in der Zukunft geringer ausfallen könnten als heute. Steigen die Preise beispielsweise um 5% bei konstanten Nominallöhnen, so führt eine reine Preisindexierung der Renten zu einer massiven Mehrbelastung der ohnehin schon unter Reallohneinbussen leidenden Erwerbsbevölkerung. Die Renten werden angepasst, während die Aktiven nicht nur einen Rückgang der Kaufkraft ihrer Löhne zu verkraften haben sondern auch noch viel höhere Sozialversicherungskosten berappen müssen.</p>
<p>Ökonomisch gesprochen ist ein zusätzlicher Franken in Krisenzeiten &#8220;mehr wert&#8221; als in guten Zeiten. Diese Intuition findet auch ihren Niederschlag in der Marktbewertung der impliziten Verpflichtungen der Sozialversicherungen. Eine reine Preisindexierung der Renten ist aktuarisch gesehen zwar billiger. Steve Zeldes, Professor an der Columbia University zeigte jedoch, dass eine Lohn- oder Mischindexierung der Renten bei einer <em>Marktbewertung</em> der künftigen Verpflichtungen billiger sein kann als eine reine Preisindexierung, wenn die (geringe) Wahrscheinlichkeit von Krisen berücksichtigt wird. Das obige Beispiel ist also durchaus relevant.</p>
<p>Für gute Zeiten vorzusorgen ist einfach &#8211; wenn das Wirtschaftswachstum grösser ist als erwartet, können wir uns eine Lohn- oder Mischindexierung eher leisten. Doch gerade die Finanzkrise hat uns gezeigt, dass wir vor allem für schlechte Zeiten vorsorgen müssen. In solchen Zeiten kann eine reine Preisindexierung teuer werden.</p>
<p>Eine reine Preisindexierung führt damit tendenziell zu einer Verarmung der Rentner in guten Zeiten und zu einer massiven Mehrbelastung der Erwerbsbevölkerung in schlechten Zeiten. Als Lösung für die anstehenden Finanzierungsprobleme der Sozialversicherungen ist der Übergang zu einer reinen Preisindexierung somit nicht geeignet. Für das Finanzierungsproblem müssen andere Lösungen gesucht werden. Eine Mischindexierung der Renten, wie sie in der Schweiz angewandt wird, scheint mir eigentlich recht optimal. Sie ist nicht nur ökonomisch sinnvoll als &#8220;worst-case&#8221; Versicherung, sondern lässt Aktive und Passive am Erfolg aber auch den Kosten der wirtschaftlichen Entwicklung partizipieren. Nach dem Motto &#8220;Share the gain, share the pain&#8221;.</p>
<p><a href="http://www1.gsb.columbia.edu/mygsb/faculty/research/pubfiles/3352/GZ%20MVASSB%202010%20final.pdf" target="_blank">Hier</a> der Link zum Aufsatz von Steve Zeldes (nicht ganz einfach zu lesen).<span id="_marker"> </span><!-- PHP 5.x --></p>
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		<item>
		<title>Die IV mit Burn-Out</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 16:14:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren dominierten &#8220;Scheininvalide&#8221; die Diskussion um die schweizerische Invalidenversicherung IV und deren Finanzierung. Mit der 5. IV Revision sowie der generellen Verschärfung der Beurteilungspraxis in der IV drehte der Wind. Die Anzahl der Neurentner sank massiv, die &#8220;Scheininvaliden &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/03/die-iv-mit-burn-out/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren dominierten &#8220;Scheininvalide&#8221; die Diskussion um die schweizerische Invalidenversicherung IV und deren Finanzierung. Mit der 5. IV Revision sowie der generellen Verschärfung der Beurteilungspraxis in der IV drehte der Wind. Die Anzahl der Neurentner sank massiv, die &#8220;Scheininvaliden verschwanden aus der Diskussion. Heute steht die IV am Pranger. Der Chef der IV, Stefan Ritler, musste sich vergangene Woche nach einem <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Arbeit-ist-die-beste-Ablenkung-vom-Schmerz-/story/29690314" target="_blank">Interview mit dem Tagesanzeiger </a>harsche Kritik gefallen lassen (&#8220;Ein Zyniker als oberster IV Chef&#8221;, &#8220;Nationalsozialistisches Gedankengut&#8221;), weil er sachlich Fragen zur Rentensprechung bei psychischen Leiden und Scheudertraumatas beantwortete.</p>
<p>Der Tagesanzeiger goss allerdings auch Öl ins Feuer, indem er das Interview mit &#8220;Arbeit ist die beste Ablenkung vom Schmerz&#8221; betitelt hat. Dies hat Herr Ritler so natürlich nicht gesagt. Die kritischen Passagen lauten (Achtung: Zitat <img src='http://www.batz.ch/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> ):</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><strong>Tagesanzeiger: Gibt es das Schleudertrauma aus Ihrer Sicht gar nicht?</strong><br />
Ritler: Zum Schleudertrauma möchte ich Folgendes sagen: In der Westschweiz gibt es diese Diagnose praktisch nicht. Im umliegenden Ausland auch nicht, weil damit keine Versicherungsleistungen bezogen werden können. Die Diagnosen kommen vor allem im Grossraum Basel-Zürich vor, wo die sogenannten Geschädigtenanwälte ihre Büros haben. Auch ich weiss von Menschen, die nach einem Schlag auf die Halswirbelsäule bei gewissen Belastungen Schmerzen haben. Meine Feststellung ist aber auch hier: Die Rente nimmt diesen Schmerz nicht. Es stellt sich aber die Frage, ob die Betroffenen medizinisch adäquat behandelt worden sind.</p>
</blockquote>
<blockquote>
<p style="text-align: left;"><strong>Tagesanzeiger: Aber mit diesem Schmerz kann man unter Umständen nicht arbeiten.</strong><br />
Ritler: Das schliessen wir nicht grundsätzlich aus. Wir stellen uns aber zuerst die Frage, was kann jemand gegen die Schmerzen unternehmen? Leute mit Schmerzen sagen doch oft: Die Arbeit ist die beste Ablenkung von meinem Schmerz. Wenn man sich zu Hause in sozialer Isolation immer mit seinen Schmerzen beschäftigt, wird es noch schlimmer.</p>
</blockquote>
<p>Die Aufgabe der Invalidenversicherung ist keine einfache: Psychische Krankheiten und somatoforme Störungen (Schmerzen ohne organische Ursache) stellen viel höhere Anforderungen als körperliche. Sie sind oft mit der Arbeits- und Lebenssituation der Betroffenen verzahnt. Ihre Diagnose ist schwierig &#8211; trotz Früherkennungsmassnahmen. Internationale Studien zeigen, dass Fehlerquoten bei den Invalidenversicherungen hoch sind. Dabei geht es nicht nur um &#8220;Scheininvalide&#8221;. Strenge Screenings führen nachweislich dazu, dass vielen tatsächlich Kranken Leistungen zu Unrecht verweigert werden – in den USA bis zu einem Viertel der Kranken.</p>
<p>Mehr dazu in <a href="http://www.batz.ch/wp-content/uploads/IVBurnOutNZZ09Mar111.pdf" target="_blank">meinem Artikel in der NZZ</a> von heute. Wer die NZZ abonniert hat: Der meinem Beitrag gegenüberliegende Artikel von Jürg Krummenacher ist übrigens sehr interessant, auch wenn ich nicht alle seine Ansichten teile. Übrigens: Reaktionen sind auch schon eingetroffen &#8211; allerdings noch nicht 211 wie beim Interview mit Stefan Rittler.</p>
<p>PS: Die im Artikel zitierte Arbeit von Low und Pistaferri findet sich <a href="http://www.ifs.org.uk/wps/wp1011.pdf" target="_blank">hier</a>.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Ist die Hausfrau ein Auslaufmodell?</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 16:55:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesen Sie meinen Beitrag dazu im NZZ-Folio (&#8220;Die Ärztin am Herd ist zu teuer für den Staat&#8221;).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lesen Sie <a href="http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/730a3583-cdea-47bf-a47d-8386bc34e4cd.aspx" target="_blank">meinen Beitrag dazu im NZZ-Folio</a> (&#8220;Die Ärztin am Herd ist zu teuer für den Staat&#8221;).<!-- PHP 5.x --></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Steuerbefreiung des Existenzminimums?</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 15:10:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Besteuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer zu einem kleinen Lohn arbeitet, hat oft weniger verfügbares Einkommen als ein Sozialhilfebezüger. In vielen Kantonen gibt es substantielle Schwelleneffekte beim Ausstieg aus der Sozialhilfe. Genau so wie dem Arbeiter mit bescheidenem Lohn, geht es einer Rentnerin mit einer &#8230; <a href="http://www.batz.ch/2011/01/steuerbefreiung-des-existenzminimums/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer zu einem kleinen Lohn arbeitet, hat oft weniger verfügbares Einkommen als ein Sozialhilfebezüger. In vielen Kantonen gibt es substantielle Schwelleneffekte beim Ausstieg aus der Sozialhilfe. Genau so wie dem Arbeiter mit bescheidenem Lohn, geht es einer Rentnerin mit einer kleinen BVG Rente. Unter Umständen bleibt ihr weniger als ihrer Kollegin, deren AHV Rente durch Ergänzungsleistungen aufgebessert wird. Grund ist in beiden Fällen, dass Arbeitseinkommen und Rente (aufgeschobenes Arbeitseinkommen sozusagen) besteuert werden, Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe jedoch nicht.</p>
<p>Die steuerliche Ungleichbehandlung lässt sich nicht rechtfertigen. Sie führt zudem zu krassen Fehlanreizen. Es lohnt sich im Falle von Sozialhilfe nicht, zu arbeiten. Die Rentnerin fährt besser, wenn sie sich ihr Alterskapital aus der beruflichen Vorsorge auszahlen lässt. Wenn es aufgebraucht ist, kann sie Ergänzungsleistungen beziehen (Mehr dazu <a href="http://www.avenir-suisse.ch/content/themen/effizienz-der-institutionen/ergaenzungsleistungen/mainColumnParagraphs/0/document1/el_inhalt_final.pdf" target="_blank">hier</a>).</p>
<p>Bedarfsleistungen dürften steuerlich nicht mehr privilegiert werden. Die Frage ist, wie dies in der Praxis umzusetzen wäre. Ein erster Vorschlag wäre, alle Einkommen &#8211; also insbesondere auch Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen genau gleich wie Erwerbseinkommen zu besteuern. In diesem Fall bleibt den Bedürftigen weniger. Gleichzeitig käme es wohl unweigerlich zu einem Druck, die Bedarfsleistungen als Kompensation zu erhöhen. Die zweite Idee ist eine weitgehende Befreiung des Existenzminimums von den Einkommenssteuern.</p>
<p>Gegen den zweiten Vorschlag &#8211; eine Steuerbefreiung des Existenzminimums &#8211; regt sich vor allem Widerstand aus bürgerlichen Kreisen. Auch das <a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/c1122101.html" target="_blank">Bundesgericht</a> meinte vor einiger Zeit: Aus Art. 4 BV (Existenzsicherung) könne nicht abgeleitet werden, dass <em>&#8220;ein bestimmter Betrag in der Höhe eines irgendwie definierten Existenzminimums von vornherein steuerfrei belassen werden könnte.&#8221;</em> Die Besteuerung aller Einwohner sei wichtig, damit sich auch wirklich alle bewusst seien, dass die Leistungen des Staates nicht gratis zu haben seien. Oder wie es das Bundesgericht ausdrückt: <em>&#8220;Aus dem aus Art. 4 BV hergeleiteten Grundsatz der Allgemeinheit der Besteuerung kann auch gefolgert werden, dass alle Einwohner entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit einen &#8211; wenn auch unter Umständen bloss symbolischen &#8211; Beitrag an die staatlichen Lasten zu leisten haben.&#8221;</em></p>
<p>Ich glaube dennoch, dass die weitgehende Steuerbefreiung des Existenzminimums aus folgenden Gründen richtig wäre:</p>
<p>1)   Bereits heute beteiligen sich über die Mehrwertsteuer und Gebühren auch die Ärmeren an den staatlichen Lasten.</p>
<p>2)   Das Argument, eine Einkommenssteuer auf geringen Einkommen erhöhe das Bewusstsein über die Kosten der staatlichen Leistungen, kaufe ich nicht. Es mag sein, dass den meisten die Beteiligung an den Kosten via Mehrwertsteuern und Gebühren nicht bewusst ist. Viel offensichtlicher ist dies, wenn man eine Steuerrechnung erhält, die aufs Mal bezahlt werden muss. Ob es allerdings gescheiter ist, Einkommensteuern auch auf sehr kleinen Einkommen zu erheben und diese dann in Form von Subventionen wieder zurückzuerstatten, sei dahingestellt. Das Bewusstsein, dass die staatlichen Leistungen etwas kosten, wächst so kaum. Meiner Meinung leidet dadurch eher das Ansehen des Staates.</p>
<p>3)   Eine weitgehende Steuerbefreiung des Existenzminimums erzeugt weniger negative Arbeits- und Sparanreize. Das Dickicht von Steuern und einkommensabhängigen Subventionen  bestraft heute diejenigen am meisten, die sich aus eigener Kraft aus der Armut befreien wollen.</p>
<p>PS1: Nationalrat Paul Rechsteiner (SP St. Gallen) hat mich mit seiner Frage zur Steuerbefreiung des Existenzminimums (anlässlich einer Anhörung der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates) zu diesem Batz-Eintrag angeregt.</p>
<p>PS2: Ein herzliches Dankeschön an meinen Mitarbeiter Lukas Schwank, der diesen Beitrag kritisch durchgelesen hat &#8211; er hätte wohl differenzierter argumentiert.<!-- PHP 5.x --></p>
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		<title>Die Nöte des Mittelstandes &#8211; Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 18:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Monika Bütler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziale Sicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Ergänzung zum Batz-Beitrag: das heutige Interview in der Berner Zeitung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Ergänzung zum <a href="http://www.batz.ch/2010/12/die-note-des-mittelstands-schwelleneffekte-und-subventionen-2/" target="_blank">Batz-Beitrag</a>:</p>
<p>das heutige <a href="http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/geld/Man-wird-dazu-animiert-im-Kleinen-Abzockerei-zu-betreiben/story/26994138" target="_blank">Interview in der Berner Zeitung</a>.<!-- PHP 5.x --></p>
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